• 09.03.2026
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Robots und Cobots in der Lebensmittelindustrie

Robotik erobert viele Teile der Produktion, auch in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. KI-gestützte Systeme werden immer leistungsfähiger. Auch auf der POWTECH TECHNOPHARM zeigen Aussteller ihre integrierten Lösungen, die speziell auf die Belange der Food- und Feed-Industrie ausgerichtet sind.

Geschrieben von Dr. Ulla Reutner

Viele kleine hellbraune Kuchen werden von einem Roboterarm in Reih und Glied gelegt
Ein Pick-and-Place-Roboter platziert feine Törtchen, hier in einer Linie von Syntegon beim Schweizer Familienunternehmen HUG.

Was tun Roboter in der Lebensmittelindustrie? Die Einsatzmöglichkeiten sind immens. Sie veredeln Käse, indem sie riesige Käseleibe drehen und regelmäßig abbürsten. Sie zerteilen glitschige Tintenfische. Sie können sogar besser als der Mensch Gemüse und Obst nach Qualitätsmerkmalen sortieren und „bewerten“ dabei Duft, Farbe und Textur mithilfe von Sensoren und KI. In Japan platzieren sie seit langem Fischstückchen auf Reisbällchen und rollen Maki-Sushi mit beeindruckender Präzision. Roboterarme kneten Nudelteig, zaubern Latte-Art auf den Cappuccino oder Ornamente auf Desserts und Torten.

Beim Kommissionieren und Palettieren sind Roboter schon seit geraumer Zeit spitze. Sie langen richtig hin und werden niemals müde. Kollaborative Roboter (Cobots) die ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten, ohne diese zu gefährden, sind im Vormarsch. Ein weiterer Trend sind mobile Roboterzellen, die an verschiedenen Produktionslinien eingesetzt werden. Dank KI und 3D-Vision-Systeme übernehmen die Palettierer immer komplexere Aufgaben, stellen zum Beispiel gemischte Paletten zusammen. Und sie lernen schneller als früher, da sie intuitive Ansätze für die Programmierung erlauben. KI-Analyse ermöglicht es zudem, den Wartungsbedarf vorherzusagen, bevor es zum Ausfall kommt (Predictive Maintenance).

Hygienic Design speziell für die Nahrungsmittelproduktion

Besondere Anforderungen gibt es in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. Beim Robotereinsatz sind diese Branchen zwar gegenüber der Automobil- oder Elektronikindustrie im Hintertreffen. Doch sie holen auf. Gerade Betriebe, die bereits erste Roboter im Einsatz haben, planen weitere anzuschaffen (laut DLG-Trendmonitor 2023). Dort sind Modelle in hygienischer Bauweise im Einsatz (Hygienic Design), oft aus Edelstahl mit besonders glatten Oberflächen. Sie sind leicht zu reinigen und halten einiges aus, etwa den Strahl eines Hochdruckreinigers (bei Schutzart IP69K) und aggressive Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Zahlreiche Details wie eine versiegelte Kabelführung und spezielle Greifer sind Teil des Hygienekonzepts. Eine Druckbeaufschlagung des Roboterarms verhindert, dass dort Mikroorganismen eindringen. Gesundheitlich unbedenklich müssen auch die eingesetzten Schmiermittel sein.

Ein grüner Industrieroboter stapelt Getränkekisten auf eine Holzpalette
In der Getränkeindustrie sind Roboter seit langem im Einsatz, um etwa schwere Bierkästen zu palettieren.

Solche Food-Grade Robots oder Washdown Robots sind nicht mehr allein in der Intralogistik im Einsatz. Sie können in allen Phasen der Lebensmittelproduktion integriert werden, um die Produktionseffizienz zu steigern und Mitarbeiter von monotonen Tätigkeiten zu entlasten. In der Produktion erkennen immer mehr Unternehmen den Wert der Automatisierung mithilfe der Robotik. An erster Stelle steht der Einsatz von Knickarmrobotern (Gelenkarmrobotern) mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und den möglichen hohen Traglasten. Für Pick and Place-Applikationen werden primär Deltaroboter eingesetzt, während Portalroboter meist fürs Palettieren verwendet werden.

In Bereich der Verarbeitung übernehmen Roboter in erster Linie Aufgaben wie Positionieren, Sortieren, Kontrollieren und Dosieren. Im nächsten Schritt der Verpackung sind sie sowohl bei der Primär- als auch der Umverpackung im Einsatz. Sie übernehmen in vielen Fällen auch das Kennzeichnen und das Verschließen.

Internationale Robotik-Hersteller und ihre schlüsselfertigen Systeme

Viele international tätige Robotik-Hersteller wie etwa Fanuc, Mitsubishi Electric und Kawasaki Robotics bieten inzwischen Roboter an, die die hohen Hygieneanforderungen erfüllen. Europäische Anbieter wie Stäubli, Universal Robots, ABB (2025 an die japanische SoftBank Group verkauft) und Kuka (seit 2022 Teil der chinesischen Midea Group) zeichnen sich durch flexible Lösungen und hygienegerechte Robotik-Designs aus. Daneben bieten einige Systemanbieter für die Lebensmittelindustrie integrierte Anlagen für die automatisierte Produktion unter Einsatz von Robotik. Beispielsweise entwickelt Syntegon schlüsselfertige Lösungen auf Basis einer modularen Robotik-Pick-and-Place-Plattform (RPP). Sie wird unter anderem zur Übergabe und Positionierung von gefrorenen Croissants und French-Toast-Sticks vom Vorprozess zur Zuführung der Schlauchbeutelmaschine eingesetzt. In einer weiteren Applikation holt die RPP Schokoladen-Weihnachtsmänner, Osterhasen und Täfelchen aus Gussformen und platziert sie auf einem Austrageband.

Auch der POWTECH TECHNOPHARM-Aussteller Sacchi bietet vollautomatische Roboterlösungen an. Das Unternehmen ist in den verschiedensten Lebensmittelbereichen tätig: Von der Herstellung von Milchpulver und Eiscreme über die Backwaren- und Kaffee-Produktion bis hin zu Lebensmittelzusatzstoffen. Dabei integriert es unter anderem Roboter für die Depalettierung und Entleerung von Säcken, Roboter, die auf die Verpackung und Palettierung von Granulat und Pulver spezialisiert sind, sowie solche, die Kommissionieraufträge für verpackte Produkte vorbereitet. Weitere Roboterlösungen, der SmartPicker und das System SmartPowder-Flex, eignen sich zur Herstellung von Mikrodosen. Dazu sammelt ein Roboterarm Minibatches aus verschiedenen Spendern, um diese anschließend in die Produktion zu schicken oder direkt einem Mischer zuzuführen.

Für die robotergestützte Palettierung von kleinen Säcken bietet PanPac Engineering innovative Lösungen. Diese ergänzen die Sackabfüllanlagen des POWTECH TECHNOPHARM-Ausstellers, die vielseitig in der Futtermittelindustrie eingesetzt werden können. Auch bei der Palettierung von Milchpulverbeuteln sind die PanPac-Systeme im Einsatz. Speziell angefertigte Greifwerkzeuge sorgen für Präzision und Sicherheit. Zum Portfolio des Ausstellers Greif-Velox gehören ebenfalls Palettierroboter – neben Absackmaschinen und Abfüllanlagen. So können komplette Full-Line-Anlagen realisiert werden.

Robot-Palettierer sind auch Bestandteil der der Produktlinie Chronos für die Pulverabfüllung, die Premier Tech Systems and Automation auf der POWTECH TECHNOPHARM 2026 präsentieren wird. Sie eignet sich besonders für die präzise, staubarme Abfüllung und kann speziell für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie ausgelegt werden. Gerade bei der Produktion von Tierfutter kommt es auf hohe Effizienz an. Die von Premier Tech gefertigten Anlagen zeichnen sich durch leicht zu reinigende Edelstahl-Kontaktflächen aus. Höchsten Hygieneanforderungen entsprechen die Anlagen zur Verpackung von Milchpulver. PT-Systems bietet neben Einzelroboterlösungen auch modulare skalierbare Lösungen mit mehreren Robotern an.

Innovative Robotik-Plattformen, integriert in die Verpackungslinie

Grundsätzlich sollten Produzenten von Lebensmitteln und Tiernahrung bei Palettierrobotern darauf achten, dass diese perfekt mit den vorgeschalteten Anlagen der Produktion und Verpackung zusammenarbeiten. Bei Bedarf palettieren Roboter die Produkte von mehreren Linien gleichzeitig, auch wenn diese Packungen unterschiedlicher Formate produzieren. Die Greifer können auf diese Packungen sowie für lose Flaschen, Trays, Kisten und Taschen angepasst werden.

3D-Visualisierung einer Anlage mit Abfüllbereich und Verpackungslinie sowie einem blauen Industrieroboter
Roboter können in vollautomatische Abfüllsysteme für die Lebensmittelindustrie integriert werden. POWTECH TECHNOPHARM-Aussteller wie PanPac erfüllen dabei hohe Anforderungen an die Hygiene und Sicherheit.
In einer blau beleuchteten Bar mit zahlreichen Gästen bedienen zwei weiße Roboterarme eine Theke, über der Spirituosenflaschen hängen
Roboter-Bartender wie „Toni“ sind faszinierend und cool. Noch dienen sie in erster Linie dem Entertainment.

Auch echte Prozessautomation ermöglichen Roboter, etwa bei der Produktion von Wurst- und Käseaufschnitt. Komplett auf die Lebensmittelindustrie spezialisiert haben sich unter anderem der isländische Maschinenbauer JBT Marel und die deutsche Baader Group, deren Anlagen Fleisch, Fisch und Geflügel robotisiert verarbeiten– angefangen vom Entbeinen bis hin zum Portionieren. Frontmatec gehört ebenfalls zu den führenden Anbietern im Sektor Roboterschneiden. Ihre Roboter legen Lachs in Kisten und Thermoformbeutel, sie portionieren Filets und richten diese in Schalen an.

Auch ganz am Ende der „Nahrungskette“ sind Roboter im Einsatz. Industrielle Kochroboter von Circus Group, GoodByt, Karakuri und Moley Robotics bereiten komplette Gerichte in Großküchen und der industriellen Lebensmittelproduktion zu. Dazu werden unter anderem robotische Arme und Dosiersysteme genutzt. Und wer keinen großen Wert auf gute Gespräche mit dem Bartender legt, aber dennoch einen perfekt gemixten Cocktail will, für den bietet Makr Shakr aus Italien ein eher schweigsames Team: Toni, Compatto und Veloce mixen bis zu 250 Getränke pro Stunde, mit zwei Roboterarmen, die niemals müde werden.

Autor

Ulla Reutner
Dr. Ulla Reutner
Chemist and freelance specialised journalist