Geschrieben von Dr. Ulla Reutner

Rund zwei Terawattstunden pro Jahr – so sah die Planung für Europas Batteriezellproduktion noch im April 2025 aus. Mit Blick auf die vergangenen Jahre und die zahlreichen wieder abgekündigten Projekte ist die Umsetzung eher unwahrscheinlich. Zumal diese Kapazitäten die Nachfrage wohl sogar übersteigen würde. Insbesondere durch die wachsende Akzeptanz von Elektrofahrzeugen, steigt diese zwar deutlich, aber langsamer als erwartet. Europa hat Nachhofbedarf. Welche der Großprojekte sind derzeit gesichert?
Geliefert hat der Volkswagenkonzern, beinahe unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Seine Tochter PowerCo nahm Mitte Dezember 2025 ihre erste europäische Batteriezellfertigung in Salzgitter (Deutschland) in Betrieb, ausgerechnet, während die EU das Verbrenner-Aus in Frage stellte. Die ersten dort produzierten Zellen werden bereits für Tests in Fahrzeugen genutzt. Der erste Serieneinsatz ist noch für dieses Jahr geplant. Im ersten Schritt wird eine jährliche Produktionskapazität von 20 GWh (ca. 250.000 E-Fahrzeuge) aufgebaut, die auf 40 GWh erweitert werden kann. Das Konzept soll als Blaupause für weitere Zellfabriken in Valencia (Spanien) und St. Thomas (Kanada) dienen. Durch die Integration der Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über die Produktion von aktivem Kathodenmaterial (CAM) und Elektroden bis zum Recycling will PowerCo seine Batteriezellproduktion wettbewerbsfähig und nachhaltig aufbauen.
Noch immer im Aufbau ist die deutsche Batteriefertigung von Tesla in Grünheide. Dort sollen künftig Batteriezellen und Elektrofahrzeuge im gleichen Werk entstehen. Noch werden dort jedoch nur einzelne Komponenten gefertigt; die Zellproduktion selbst findet in den USA statt. Mit einer Investition von knapp 100 Mio. Euro wird die Batteriefabrik in Grünheide nun ausgebaut und die Wertschöpfungstiefe erhöht, sodass dort ab 2027 komplette Zellen produziert werden können. Die Produktionskapazität soll bis zu acht GWh jährlich umfassen.
Schon seit Ende 2022 produziert der chinesische Konzern CATL in Erfurt Lithium-Ionen-Batteriezellen – die erste große serienfähige Zellfertigung in Deutschland für ein Investitionsvolumen von rund 1,8 Mrd. Euro. Noch ist der Ramp-up für 14 GWh Zellkapazität pro Jahr nicht vollständig abgeschlossen.
Parallel dazu baut CATL eine deutlich größere Fabrik in Debrecen (Ungarn), ein Mega-Hub für Europa. Auf einer Fläche von 221 ha entsteht dort eine der größten Batteriefabriken weltweit, für rund 7,3 Mrd. Euro. Als initiale Kapazität sind 40 GWh pro Jahr in Planung; im Vollausbau sollen dort Batterien mit rund 100 GWh jährlich entstehen. Die Inbetriebnahme ist für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen; die Phase 1 des Ausbaus ist laut CATL bereits voll gebucht. Neben Zell- und Modul-Fertigung sind dort mittelfristig auch die Materialproduktion und das Recycling geplant.
Mitte März ließ der Besuch des Lyten-CEO Dan Cook in Heide (Schleswig-Holstein, Deutschland) für den Standort hoffen. Es ging um eine mögliche Übernahme des ursprünglich geplanten Northvolt-Batteriewerks. Lyten wurde 2015 in den USA gegründet und ist auf Akkumulatoren auf Lithium-Schwefel-Basis spezialisiert. Es beabsichtigt, in Heide Batterien für ein breites Angebotsspektrum zu produzieren: neben Elektrofahrzeugen auch stationäre Energiespeicherung und Verteidigung. Der Baubeginn ist – recht optimistisch – bereits für nächstes Jahr geplant, die Inbetriebnahme für 2028. Lyten schloss Ende Februar die Übernahme des insolventen schwedischen Teils von Northvolt ab. Die Übernahme der deutschen Tochter ist jedoch noch nicht in trockenen Tüchern.

Dagegen wurde die Übernahme der Northvolt Batterierecyclinganlage durch Lyten im März bestätigt. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe der Gigafactory Lyten Ett in Skellefteå (Schweden). Ende Februar wurde deren Übernahme von Northvolt abgeschlossen. Dort wird nun die Produktion wieder hochgefahren. Kommerzielle Zellen sollen ab dem zweiten Halbjahr 2026 entstehen: neben den klassischen Lithium-Ion-NMC-Zellen gemäß der Northvolt-Technologie auch Lyten-Lithium-Schwefel-Batterien.
Auch in Frankreich entstehen vielversprechende Batteriefabriken. Im Rahmen des Projekts ACCEPT plant ACC fünf Produktionslinien für Lithium-Ion-NMC-Zellen für Elektrofahrzeuge in zwei Gigafabriken in Billy-Berclau / Douvrin in Nordfrankreich. Ab 2030 sollen diese eine jährliche Leistung von 15,65 GWh erbringen. ACCEPT beabsichtigt, die Industrialisierung von NMC-Zellen der nächsten Generation so weit wie möglich innerhalb einer europäischen Wertschöpfungskette voranzutreiben. Die dort entstehenden Zellen sollen ultraschnelles Laden (80 % Leistung in 15 bis 20 Minuten) ermöglichen.
Am selben Standort betreibt ACC, an dem Saft/TotalEnergies, Mercedes und Stellantis beteiligt sind, bereits seit Ende 2023 eine Gigafactory. In der Anfangsphase von Block 1 beträgt die Jahreskapazität 13 GWh; sie soll bis 40 GWh hochgefahren werden. Der Hochlauf verläuft, ähnlich wie in anderen europäischen Batteriefabriken, jedoch langsamer als geplant. Die Inbetriebnahme von Block 2 wird für 2026 erwartet, ein dritter Block soll folgen. Die Planung weiterer Werke in Kaiserlautern (Deutschland) und Termoli (Italien) wurde im Februar 2026 zu den Akten gelegt.
Im Dezember 2025 offiziell eröffnet wurde zudem die Verkor-Gigafactory in Dunkirk. Derzeit laufen Testphase und Ramp-up; mit dem stabilen Serienbetrieb wird noch für 2026 gerechnet. Die initiale Kapazität liegt bei 16 GWh pro Jahr in mehreren Linien, wobei ebenfalls die komplette Zellfertigung abgedeckt wird. Das Ausbauziel liegt bei 50 GWh/Jahr bis 2030. Damit wäre das Werk eines der größten Werke in Europa, vergleichbar mit den großen Standorten von CATL und PowerCo. Es ist auf Hochleistungszellen (NMC) für Performance-Fahrzeuge ausgelegt – dank dem Abnehmer Renault ebenfalls mit hoher OEM-Absicherung. Doch Verkor ist, anders als etwa ACC oder CATL, ein noch nicht bewiesener Player. Es wurde 2020 als europäisches Industrieprojekt gegründet, mit der Motivation, eine eigene Batterieproduktion unabhängig von Asien aufzubauen. Dahinter steht ein breites Konsortiums von Investoren und Industriepartnern, darunter Schneider Electric, Arkema, EIT InnoEnergy und der Ankerkunden Renault Group. Das Hochfahren der ersten Ausbauphase ist der erste, die weitere Skalierung der zweite Prüfstein, ob hier tatsächlich einer der wichtigsten europäischen Zellhersteller entsteht.
Einige weitere Batteriefabriken in Europa entstehen gerade, wenn auch nicht durch europäische Hersteller. Zu den wichtigsten Projekten gehört ein Werk im spanischen Saragossa, in das das chinesische Unternehmen CATL zusammen mit Stellantis 4,1 Mrd. Euro investieren. Der Bau der Fabrik für LFP-Zellen und -module begann im November 2025. Die Bauarbeiten sollen im März 2028 abgeschlossen werden. Eine der größten Batteriefabriken Großbritanniens entsteht in Somerset. Dort baut Agratas, ein Tochterunternehmen der indischen Tata Group, für rund 4,5 Mrd. Euro ein Werk mit 40 GWh Jahreskapazität. Es soll noch 2026 eröffnet werden. Die dort gefertigten Automotive-Batterien sollen bei Tata selbst sowie bei seiner Tochter Jaguar Land Rover eingesetzt werden. Zudem entstehen dort auch Batterien für weitere Anwendungen, etwa stationäre Energiespeicher.
Noch im Planungsstadium sind die Gotion-InoBat-Batteriefabrik in Šurany in der Slowakei (chinesischer Zellhersteller). Auch die chinesischen Unternehmen CALB und Sunwoda errichten Fabriken in Europa, CALB zum Beispiel in Sines (Portugal) (MoU ist unterzeichnet), Sunwoda in Budapest (Ungarn). Auch BYD zeigt Interesse an einem Produktionsaufbau, allerdings in der Türkei (Zollunion mit EU). Noch spekulativ ist, ob der Autobauer sein Produktionswerk in Ungarn um eine Batteriefabrik ergänzt. Bislang entsteht dort nur eine kleines Batterie-Montagewerk. Gemeinsame Motivation der chinesischen Hersteller – neben der kürzeren Logistik zu eigenen Autowerken und den Werken der europäischen Kunden ist, die europäischen Zölle zu umgehen.
Europa baut derzeit seine Fertigungskapazitäten für Batteriezellen schneller aus als jede andere Region, von derzeit sechs bis zehn Prozent Anteil am Weltmarkt auf bis zu 25 Prozent im Jahr 2030. Der weitere Ausbau der diversen Gigafactorys in Europa ist jedoch abhängig vom Marktwachstum, vor allem E-Autos und stationäre Speicher betreffend. Eine Aufweichung des Beschlusses für ein Verbrenner-Aus ab 2035 würde sich wohl als Bremser erweisen. Doch aufzuhalten sind Elektromobilität und grüne Energieerzeugung inklusive stationärer Stromspeicher nicht. Auch wenn China weiterhin dominieren wird – Europa macht Boden gut.
