• 05.06.2026
  • Artikel

Warum Frauen in der Prozessindustrie 4.0 unverzichtbar sind

Transformation gelingt am besten, wenn vielfältige Teams mitwirken. Bei der Wandlung zu Industrie 4.0 bringen idealerweise Mitarbeitende aus Verfahrenstechnik, Automatisierung, Data Science, Produktion und IT ihre Erfahrungen ein. Darüber hinaus zeigen mehrere Studien: Geschlechtervielfalt führt zu höherer Innovationsleistung. Zum Thema Digitalisierung und KI kommen daher in der Virtual-Talk-Reihe von POWTECH TECHNOPHARM drei starke Frauen zu Wort.
Frau im Blaumann mit Helm, Schutzbrille und Tablet vor beleuchteten Anlagen der Großchemie und digitalem Zwilling schaut auf holografische Diagramme für Predictive Maintenance und Prozessoptimierung
Als Produktionsleiterinnen, Verfahrensentwicklerinnen und Instandhalterinnen sorgen Frauen für den wirtschaftlichen Erfolg der Prozessindustrie. Unterstützt von Wissenschaftlerinnen und Pionierinnen der Digitalisierung und KI treiben sie die Transformation voran.

Das Votum ist eindeutig: Künstliche Intelligenz (KI), Digitalisierung und ihre Anwendungen im Produktionsumfeld sind die technologischen Themen, für die sich die Mitglieder des Netzwerks Women4Processing am meisten interessieren. Das Netzwerk ist eine neue Initiative, die neben den Formaten Women4Packaging und Women4Cyber im Herbst 2025 von Fachmessen der NürnbergMesse gegründet wurden. Dem ersten Live-Netzwerktreffen von Women4Processing auf der POWTECH TECHNOPHARM 2025 soll nun ein virtueller Austausch mit technologischem Schwerpunkt folgen. „KI und Digitalisierung in der Prozessindustrie – und der Beitrag der Frauen zu einer erfolgreichen Transformation“ wird am 7. Juli ab 10:00 Uhr im Rahmen der Webinar-Reihe Virtual Talks thematisiert werden.

Es dürfte niemanden verwundern, dass KI und Digitalisierung derzeit auf besonders großes Interesse stoßen, egal ob bei Männern oder Frauen in der Processing-Community. Doch wie in vielen technischen Disziplinen und Branchen müssen Frauen besonders darauf achten, mit ihrer Expertise wahrgenommen zu werden und sich einbringen zu können. Da hilft es, einen Blick auf die besonderen Stärken zu werfen.

Gründerinnen, Managerinnen, Macherinnen treiben die digitale Transformation

Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung von KI und der Digitalisierung in der Industrie, als Forscherinnen, Ingenieurinnen, Produktionsverantwortliche und Unternehmerinnen. Zu den letztgenannten gehören Moojan Asghari, eine der Gründerinnen von Women in AI, und Poppy Gustafsson, Expertin für Cybersicherheit mit Mitteln der KI. Schwieriger zu finden sind sie in der Prozessindustrie. Denn so wichtig KI und Digitalisierung dort auch sind: Die Umsetzung hängt nicht an einzelnen Stars, sondern ist Teamleistung.

Doch oft gehören Frauen zu den Treibern. So etwa Saskia Bingemann, Senior Product Managerin bei BASF Digital Solutions. Sie beschreibt sich selbst als neugierig und veränderungsaffin, als Führungskraft, die „in Umgebungen aufblüht, in denen Veränderung … notwendig ist.“ Sie hat im Laufe ihrer Karriere Expertise an der Schnittstelle zwischen digitalen Plattformen, Low-Code-Lösungen, Analytik und Unternehmenstransformation aufgebaut. Ihre Spezialität ist das Führen von Teams durch komplexe Übergänge, etwa beim Ersatz veralteter Tools und der Einführung neuer Arbeitsweisen.

Zu den bekanntesten Digitalisierungsmanagerinnen der deutschen Chemieindustrie gehört Jutta von Mikusch-Buchberg, Leiterin der digitalen Transformation bei Covestro. Sie bringt vielfältige Erfahrungen als CIO bei diversen Großunternehmen mit. Für operative Expertise bei Covestros digitaler Transformation steht Sabine Pegel, die im Anlagenmanagement bei Coatings-Spezialitäten als KI-Transformationsleiterin agiert.

In der Lebensmittelindustrie sind die Möglichkeiten digitaler Technologien äußerst vielfältig. Débora Campos gründete AgrGrIN Tech, um mit datenbasierten Verfahren Nebenprodukte aus der Obst- und Gemüseverarbeitung in hochwertige Lebensmittelzutaten umzuwandeln. Das Unternehmen Nuritas der Biotechnologie-Unternehmerin Nora Khaldi wiederum setzt KI ein, um neue bioaktive Peptide in Pflanzen und Lebensmitteln zu identifizieren. Auch Lynette Kucsma gehört zu den Pionierinnen digitaler Lebensmitteltechnologien. Die Mitgründerin von Natural Machines treibt die Entwicklung kommerzieller 3D-Labensmitteldrucker voran.

Nah an Produktionsthemen sind Wissenschaftlerinnen, die sich mit digitalen Zwillingen technischer Systeme beschäftigen. Dazu gehört Olga Fink, Professorin der EPFL in Lausanne. Die KI-Forscherin hat wegweisende Arbeiten zu Digital Twins in Industrie 4.0 sowie zu intelligenter Instandhaltung geleistet. Neue Impulse hierzu geben die aktuellen Veröffentlichungen von Ann-Kathrin Splettstößer von der Universität Stuttgart. So beschreibt sie unter anderem in „Der qualitätsbewusste Digitale Zwilling“ eine modellgetriebene Referenzarchitektur für verbesserte Prozessqualität.

Virtual Talk im Juli: Drei Expertinnen stecken die KI-Prozesswelt ab

Zu den Treiberinnen der Digitalisierung und KI in der Prozessindustrie gehören auch die drei Referentinnen, die den oben genannten Virtual Talk mit Impulsvorträgen bereichern. Den Anfang macht Jessica Fritz, Ingenieurin der Computerwissenschaft, die im VDMA-KI-Team für die Twin Transformation zuständig ist. Sie führt in die zentralen Entwicklungen rund um KI und Digitalisierung in der Prozesstechnik ein. Darüber hinaus lenkt sie den Blick auf die Rolle von Frauen im Rahmen der Transformation zu Industrie 4.0 und betont die Bedeutung der weiblichen Perspektive. 

Porträtfoto: Blonde Frau mit heller Bluse
Semantik-Expertin Anna Menschner wird beim ersten Virtual Talk von Women4Processing darlegen, warum KI ohne gemeinsames Verständnis nicht skaliert.

Anna Menschner, Mitgründerin und Geschäftsführerin von Semodia und Vorbild-Unternehmerin der Initiative „Frauen unternehmen“ des BMWE, wird in ihrem Vortrag an die Wurzeln gehen: nämlich an das gemeinsame Verständnis als Grundlage für jedes KI-Projekt. Ihr Vortrag zeigt verständlich und praxisnah, warum Ordnung, eindeutige Begriffe und geteiltes Wissen die unsichtbare Voraussetzung dafür sind, dass KI in der Industrie wirklich nützlich werden kann.

Als dritte Referentin konnten die Organisatoren von Women4Processing und der Virtual Talks Christine Oro-Saavedra gewinnen. Als Geschäftsführerin der Namur gehört sie zu den wichtigsten Gestalterinnen der digitalen Infrastruktur der Prozessindustrie, auf der zukünftige KI-Anwendungen aufbauen. Die Namur gilt als wichtigste Anwenderorganisation für Automatisierung und Digitalisierung in der Chemie-, Pharma- und Prozessindustrie Europas. Sie widmet sich zahlreichen Digitalisierungsthemen und setzt dafür Quasi-Standards wie NOA (Namur Open Architecture), Process X und MTP. Oro-Saavedra setzte sich schon in ihrer vorherigen Rolle am Bayer-Standort Bergkamen stark für Konzepte wie Augmented Reality, IOT und Zustandsüberwachung in der Instandhaltung ein. Sie unterstützt die Implementierung von Datenräumen, kollaborativen Plattformen, die es Unternehmen ermöglichen, Daten für Anwendungsfälle wie Data-Mining, Prozessoptimierung oder Supply Chain auszutauschen. Neben Einblicken und Ausblicken in den Status-quo und die Zukunft der Digitalisierung und KI in der Prozessindustrie steht sie – wie auch die anderen Referentinnen – für eine rege Diskussion mit allen Teilnehmern zur Verfügung.

Zu Women4Processing gehören zahlreiche Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen, die direkt in der Prozessindustrie oder bei einem der Anlagenbauer oder Ausrüster beschäftigt sind. Entweder stecken sie bereits mittendrin in einem Digitalisierungs- oder KI-Projekt oder wissen, dass das in absehbarer Zeit auf sie zukommt. Zeit für einen Austausch, zu dem auch interessierte Männer eingeladen sind. Die drei Referentinnen wie auch die Teilnehmerinnen von Women4Processing stehen bereit, ihnen neue Perspektiven auf die Digitalisierung zur eröffnen. Zur kostenfreien Teilnahme am Live-Stream am 7. Juli 2026 über Microsoft Teams registrieren Sie sich bitte hier (in Kürze verfügbar).

Dieses Thema interessiert Sie? Dann kommen Sie zur POWTECH TECHNOPHARM und erleben Sie dieses und viele weiteren Themen live auf der Messe. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket mit folgendem Code: PTTP26Insights