- 07.09.2026
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Vom Reinraum zum Reißverschluss: 20 Jahre Pharmatechnologie im Wandel am Messestand
Wie stark sich pharmazeutische Produktion in zwei Jahrzehnten verändert hat, lässt sich kaum irgendwo anschaulicher ablesen als an den Exponaten einer Fachmesse. Was früher als technologische Vision oder Speziallösung begann, steht heute serienreif auf dem Messestand. Drei Entwicklungslinien prägen diesen Wandel besonders deutlich: kontinuierlichere Prozesse, immer konsequenteres Containment und der Siegeszug flexibler Einwegkomponenten.
Geschrieben von Armin Scheuermann

Konti-Produktion etabliert sich
Den regulatorischen Startschuss gab 2004 die PAT-Guidance der FDA: Qualität sollte nicht länger nur am Ende geprüft, sondern während des Prozesses verstanden und gesteuert werden. Es folgten zwei Jahrzehnte regulatorischen Rückenwinds – von Quality by Design über das Emerging Technology Program der FDA bis zur ICH-Q13-Leitlinie für kontinuierliche Herstellprozesse. Parallel wurde aus dem Konzept industrielle Praxis. 2015 erhielt mit Vertex’ Orkambi erstmals ein kontinuierlich hergestelltes Arzneimittel die Zulassung, ein Jahr später durfte Janssen die Produktion von Prezista vom Batch- auf einen kontinuierlichen Prozess umstellen.
Damit hat Continuous Manufacturing die Pionierphase verlassen. Gerade bei festen Arzneiformen lassen sich heute mehrere klassische Chargenschritte zu durchgängigen Prozessketten verbinden. Direktverpressung und Trockengranulation spielen dabei eine zentrale Rolle. Der Vorteil ist nicht nur produktiver: Weniger Prozessschritte bedeuten weniger Übergaben und damit weniger Schnittstellen, an denen Produkt austreten oder kontaminiert werden kann.
Wie eng kontinuierliche Verarbeitung und Containment inzwischen zusammenrücken, zeigt Alexanderwerk mit der Walzenpresse WP 120 Pharma OEB 4. Sie verbindet Trockengranulation mit hohen Anforderungen an den Bedienerschutz. Romaco steuert mit der Kilian KTP 1X die Tablettiertechnik bei. Und weil kontinuierliche Prozesse ohne kontinuierliche Information kaum funktionieren, wird auch die Analytik Teil der Produktionslinie: Sympatec zeigt mit HELOS und QICPIC/S Lösungen zur Partikelcharakterisierung, weitere Messtechnik kommt unter anderem von Malvern Panalytical und Anton Paar. Mit Fette Compacting ist zudem einer der großen Anbieter der Tablettenproduktion auf der POWTECH TECHNOPHARM vertreten.
Containment wird zum Konstruktionsprinzip
Mit der Potenz der Wirkstoffe wächst das Schnittstellenproblem. Mehr als 57 Prozent der zwischen 2011 und 2020 zugelassenen Wirkstoffe werden Occupational Exposure Band 3 oder höher zugeordnet; zugleich wächst der Markt für hochaktive pharmazeutische Wirkstoffe weiter kräftig. Hochpotenz ist damit längst kein exotischer Spezialfall mehr.
Auch regulatorisch steigt der Druck. Die novellierte Gefahrstoffverordnung und der GMP-Annex 1 rücken geschlossene Prozesse, Kontaminationskontrolle und Barrieretechnik stärker in den Mittelpunkt. Die entscheidende Schwachstelle ist dabei häufig nicht der geschlossene Reaktor selbst, sondern das Dazwischen: Jeder Transfer, jedes Öffnen und jeder Produktwechsel kann zum Kontaminationsereignis werden.
Genau an diesen Schnittstellen ist deshalb ein eigenes Ökosystem entstanden. Engelsmann zeigt mit der Containment-Entleerstation JEL SmartCon ES und dem Vibrationssieb JEL Konti II CTM, wie sich Big Bags unter hohen Containment-Anforderungen entleeren und das Produkt anschließend weiterverarbeiten lässt. Rubitec und Air-Jet adressieren vergleichbare Herausforderungen bei Abfüllung und Druckbehältern.
Besonders kritisch bleibt der direkte Übergang zwischen zwei Apparaten. Hier setzen Containment-Klappen wie das Valve-System von Zermec oder die für Tabletten und Kapseln konzipierten TABLET VALVE und SOLE VALVE von CO.RA. an. Sie sollen verhindern, dass der geschlossene Prozess ausgerechnet beim Übergang geöffnet werden muss.
Und Containment endet nicht an der Produktleitung. Auch die Luftführung gehört zum Sicherheitskonzept. AFC zeigt dafür eine Push-Push-Filteranlage der ConVaaC-Serie, während HET Filter und Infastaub mit Hochleistungsfiltration und Entstaubungstechnik die luftseitige Barriere schließen.
Der Wandel ist damit grundsätzlicher als der Einsatz einzelner Schutzkomponenten: Containment entwickelt sich vom Zusatz für besonders kritische Anwendungen zum Konstruktionsprinzip kompletter Prozessketten.
Wenn der Reißverschluss den Edelstahl ergänzt
Die augenfälligste Veränderung kommt ursprünglich aus der Biopharmazie. Single-use-Technik hat sich vom Bioreaktorbeutel aus immer neue Prozessschritte erschlossen – und erreicht längst auch das Containment bei festen Arzneiformen.
Dafür sprechen nicht nur regulatorische, sondern auch wirtschaftliche Gründe. Kleinere Chargen, häufigere Produktwechsel und stärker individualisierte Therapien erhöhen den Aufwand für Reinigung, Umrüstung und Revalidierung. Vorsterilisierte oder vorkonfektionierte Einwegkomponenten können diese Stillstandszeiten verkürzen und gleichzeitig das Risiko von Kreuzkontaminationen reduzieren. Selbst ökologisch ist Edelstahl nicht automatisch überlegen: Entfallen aufwendige CIP- und SIP-Zyklen, sinken Wasser-, Dampf- und Energieverbrauch – dem steht allerdings zusätzlicher Kunststoffabfall gegenüber.
Wie weit das Prinzip inzwischen reicht, zeigt Lugaia mit flexiblen Foliensystemen und den aktuellen Produkten SafePort Evo und SafeSeal DuoPro. Statt eine Prozessschnittstelle massiv aus Edelstahl zu bauen, entsteht die geschlossene Verbindung hier aus Folie, Port und Verschlusssystem.
Novindustra Containment verfolgt mit einem neuen Containment-Folien-System und einem Endlos-Folien-System dieselbe Logik: Hochaktive Produkte werden nicht durch eine offene Übergabe, sondern innerhalb einer flexiblen Barriere transferiert. ChargePoint Technology kombiniert Single-use-ChargeBags mit aseptischen Split-Butterfly-Valves und verbindet damit Einwegtechnik mit sterilen Transferprozessen. ILC Dover ergänzt das Spektrum mit ArmorFlex-Folien, Continuous Linern und dem CrimpLoc-Verschlusssystem. Dass inzwischen auch spezialisierte Containment-Dienstleister mit Isolatoren und Entleersystemen auftreten, zeigt, wie weit sich daraus ein eigener Markt entwickelt hat.
Damit verschiebt sich auch die alte Grundsatzfrage „Edelstahl oder Single-use?“. In der Praxis läuft vieles auf eine Mischform hinaus: langlebige Edelstahlapparate dort, wo robuste Dauerprozesse gefragt sind – flexible Einwegkomponenten dort, wo häufige Produktwechsel, kritische Transfers oder maximale Trennung gefragt sind.
Der Reißverschluss ersetzt den Edelstahl also nicht. Aber er taucht an immer mehr Stellen auf, an denen vor zwanzig Jahren noch eine starre Verbindung selbstverständlich gewesen wäre.
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Was die POWTECH TECHNOPHARM 2026 zeigt
Die POWTECH TECHNOPHARM 2026 findet vom 29. September bis 1. Oktober in Nürnberg statt. In den Hallen 7A, 7 und 9 bündeln sich Exponate für pharmazeutische Feststoffprozesse, Containment und Transfertechnik.
Kontinuierliche Fertigung und feste Arzneiformen:
- Walzenkompaktierung mit der WP 120 Pharma OEB 4 von Alexanderwerk, Halle 7, Stand 7-841;
- Tablettiertechnik von Romaco, Halle 9, Stand 9-241, und Fette Compacting, Halle 9, Stand 9-449;
- Partikelcharakterisierung von Sympatec, Halle 7, Stand 7-807, Malvern Panalytical, Halle 7, Stand 7-683, und Anton Paar, Halle 7, Stand 7-620.
Containment und Transfer:
- Containment-Big-Bag-Entleerung und Vibrationssiebung von Engelsmann, Halle 7, Stand 7-842;
- Abfüll- und Druckbehältertechnik von Rubitec, Halle 7, Stand 7-814, und Air-Jet, Halle 7, Stand 7-876;
- Containment- und hygienische Absperrklappen von ZERMEC Pharma, Halle 7, Stand 7-889, und CO.RA., Halle 7, Stand 7-738. AFC zeigt die ConVaaC-Serie in Halle 7, Stand 7-794; HET Filter ist in Halle 7A, Stand 7A-612, und Infastaub in Halle 7, Stand 7-848, vertreten.
Single-use und flexible Transfersysteme:
- Lugaia präsentiert die als Neuheiten geführten Systeme SafePort Evo und SafeSeal DuoPro in Halle 7, Stand 7-976.
- Novindustra Containment zeigt ein neues Containment-Folien-System und ein Endlos-Folien-System in Halle 7, Stand 7-657.
- ChargePoint Technology ist in Halle 7, Stand 7-922, und ILC Dover in Halle 7, Stand 7-731, vertreten.
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