- 16.10.2026
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Anspruchsvolle Zutaten effizient verarbeiten: Foodtech-Innovationen auf der POWTECH TECHNOPHARM 2026
Alternative Proteine, exotische Rohstoffe und Food-Upcycling stellen neue Anforderungen an die Verfahrenstechnik. Auf der POWTECH TECHNOPHARM 2026 zeigten Maschinen- und Anlagenbauer, wie sich selbst empfindliche, feuchte oder schwer rieselfähige Produkte effizient und schonend verarbeiten lassen. Die Messe lieferte vielfältige Impulse für innovative Lebensmittel und eine wettbewerbsfähige Produktion.
Geschrieben von Dr. Ulla Reutner

Sie sind Dauerbrenner auf der POWTECH TECHNOPHARM: Regale mit unterschiedlichsten Produkten in kleinen Gläschen, die vom jeweiligen Aussteller bereits verarbeitet wurden. Inzwischen lohnt sich ein zweiter Blick. Denn neben den „Standards“ wie Getreide, Mineralien und Kunststoffen tauchen immer öfter Exoten auf. Aus dem Food-Sektor sind das unter anderem Insekten, Garnelenschalen, Algen, Pilzmyzel oder exotische Hülsenfrüchte wie Lupinen. Wer alternative Proteinquellen oder „Next-Gen“-Nahrungsmittel verarbeiten möchte, wurde auf der Messe im Herbst 2026 fündig. Auch für das Food-Upcycling durch die Aufbereitung von Nebenprodukten wie Trester und Gemüseresten gibt es Lösungen.
Upcycling und New Food durch schonende Mahltrocknung
Mahl- und Mahltrocknungssysteme für diese neuen, oft schwer zu verarbeitenden Produkte müssen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Bei der Luftwirbelmühle Ultra-Rotor gelingt das Altenburger Maschinen Jäckering. Die Entwickler der Maschine, die in Baugrößen zwischen 100 und 20.000 kg/h angeboten wird, sorgen mit speziellen Konstruktionen der Mahlkammern und einer hohen Luftmenge für eine besonders schonende Vermahlung. Gerade bei feuchten temperaturempfindlichen Produkten ist das Prinzip in Verbindung mit einem Warmlufterzeuger für die Prozessluft günstig. Für kleine Mahlgutmengen oder Tests beim Anwender zeigte Altenburger zudem eine 20‘-High-Cube-Containeranlage aus Edelstahl.

Aufbereitete Rohstoffe für den nächsten Proteinshake
Das TurboRotor-System, das Mahltechnik Görgens auf der Messe präsentierte, ist für ähnliche Anwendungsgebiete vorgesehen. Neben Feinstzerkleinerung und Mahltrocknung eignet es sich auch für die Mahl-Sprüh-Trocknung, etwa von Protein-Suspensionen. Zudem kann es Ausgangsstoffe trocken zerfasern. Auch „Fat Replacer“, die in der Lebensmittelindustrie zunehmend zum Einsatz kommen, können durch die Vermahlung von pflanzlichen Stoffen hergestellt werden.
Laut Benedikt Wende, Senior Sales Manager bei Bauermeister Zerkleinerungstechnik gibt es zudem mehr Nachfrage nach explosionsgeschützter Technik, und zwar auch aus Ländern, in denen dies nicht zwingend vorgeschrieben ist. „Unter anderem importieren indische und pakistanische Gewürzproduzenten europäische Maschinen zur kryogenen Vermahlung. Diese achten auf Qualität und Sicherheit“, erläutert Wende. Die Spaltmühlen von Bauermeister dienen darüber zum mechanischen Aufschluss pflanzlicher proteinhaltiger Rohstoffe und unterstützen damit den Trend zu veganen Lebensmitteln aus Soja, Ackerbohnen oder Lupinen. Auch das Upcycling pflanzlicher Stoffnebenströme durch Texturbildung kann realisiert werden. Das sieblose Anlagendesign verringert Anbackungen und Verschleiß. Bei Bedarf kann die Mühle mit einem Windsichter kombiniert werden.
Scherarm vom Batch- zum Kontiprozess bei Schokolade, Eiscreme und Co.
Mindestens ebenso bedeutend wie das Mahlen und Trocknen sind die Misch- und Dispergierprozesse in der Food-Industrie. Dabei profitieren Lebensmittelproduzenten von Erfahrungen aus anderen Branchen. Erprobte Verfahren der Extrusion aus der Herstellung von Elastomeren und Silikonen können teilweise übertragen werden. Am Beispiel des Planetwalzenextruders illustrierte dies Thomas Malzahn von Entex Rust und Mitschke im Rahmen eines Vortrags auf dem Expertenforum der POWTECH TECHNOPHARM. Auf Basis eines modularen Baukastens entstehen angepasste Maschinen für komplexe Reaktions-, Kühl, Entgasungs- und Mischprozesse. Das Herz des Extruders bildet eine Zentralspindel, umgeben von vielen Planetspindeln. „Daraus resultiert eine bis zu zehnfach größere Oberfläche gegenüber herkömmlichen Systemen. Zusammen mit einer äußerst exakten Temperaturführung, hoher Kühlleistung und variablen Möglichkeiten für die Zudosierung und Entgasung sorgt dies für hohe Dispergiergrade“, erläutert Malzahn. Damit lassen sich thermisch empfindliche homogenisierte Mischungen für Eiscreme, Proteinriegel, Kaugummi und Babynahrung äußerst schonend herstellen, wobei mehrere Batch-Arbeitsschritte in einem kontinuierlichen Prozess vereint werden.
Empfindliches mischen mit der Schwerkraft im Vakuum
Wie zahlreiche Mischerhersteller ist auch Lindor zunehmend mit dem Kundenwunsch nach leichter Reinigbarkeit und flexiblen Maschinenausführungen für häufige Chargenwechsel konfrontiert. Dr. Michael Kaiser, Sales Manager Germany beobachtet, dass empfindliche Produkte zunehmend im Vakuum verarbeitet werden. Er verweist dazu auf das Highlight auf der POWTECH TECHNOPHARM, den Gentle Touch Trommelmischer, der dazu geeignet ist: „Er sorgt bei kurzen Mischzeiten für ausgezeichnete Homogenität, arbeitet dabei im Gegensatz zu anderen Mischprinzipien mit Schwerkraft – ohne Paddel oder Bänder.“ Empfindliche, zerbrechliche Produkte werden also nicht zerstört. Auch Flüssigkeitsdosierung, das Erwärmen und Kühlen der Mischprodukte sowie eine CIP-Reinigung ist möglich. Im Food-Bereich wird der Mischer unter anderem für Müsli, Tee und Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.
Rieselfähige Produkte aus feuchteempfindlichen Ausgangsstoffen
Wie nun lassen sich pulverförmige Lebensmittelzutaten effizienter handhaben, staubärmer verarbeiten und für nachfolgende Prozesse oder den Verkauf optimal konditionieren? Bei der Verdichtung und Formgebung pulverförmiger Produkte spielen Walzenpressen eine zentrale Rolle. Trockengranulierung und Brikettierung erhöhen die Schüttdichte und verbessern die Fließfähigkeit. Sonja Seiler und Dr. Patrick Schönfeld von Hosokawa Alpine erläuterten im Expert Forum, wie diese unter anderem Lebensmittel auf die vier- bis fünffache Dichte bringen können. Dazu eignen sich spezielle Maschinenausführungen mit einer Rollwellenkühlung für empfindliche Produkte und einem WIP/CIP-System, das die Reinigung erleichtert. So lässt sich etwa Haushaltszucker zu Hagelzucker veredeln sowie Proteinpulver, Tee und Nahrungsergänzungsmittel kompaktieren.


Mehrproduktanlagen schneller reinigen und umrüsten
Anlagen schnell reinigen zu können entscheidet gerade bei häufigen Produktwechseln über eine wettbewerbsfähige Herstellung. Dazu hat Control Concepts auf dem AZO-Stand eine neue Lösung vorgestellt, die Rüst- und Reinigungszeiten im hygienischen Schüttguthandling drastisch reduzieren soll. Eric Esselstyn von Control Concepts stellte vor, wie das AirSweep-Materialflusssystem mit gerichteten Schockwellen zu einer Verkürzung um bis zu 83 Prozent führen kann, selbst bei anhaftenden ölhaltigen Produkten. Da die Kraft parallel zur Wand wirkt, kommt es im Gegensatz zu Vibratoren nicht zu Behälterschäden. Das System ist unter anderem für Gewürzmischungen, Milch- und Kakaopulver sowie Backmischungen geeignet.
Fazit: Effiziente Herstellung von anspruchsvollen Nahrungsmitteln
Zahlreiche Aussteller der POWTECH TECHNOPHARM bieten geeignete Lösungen für die Lebensmittel- und Futtermittelproduktion. 2026 waren es gut 281 Firmen, die meisten davon Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Zuführung, Verarbeitung und das Abpacken von Schüttgütern. Das Angebot passt sich den immer höheren Anforderungen der Food-Industrie nach Maschinen für schwer zu verarbeitende Produkte an. Wer als Hersteller von Convenience- und veganen Nahrungsmitteln sowie Nahrungsergänzungsmitteln auf der POWTECH TECHNOPHARM unterwegs war, bekam zahlreiche Anregungen für die Optimierung seiner Produktion.
