• 08.04.2026
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Von der Rohstoffstrategie zur Versorgungspraxis: Wo Europa 2026 steht

Im März 2026 steht Europas Rohstoffpolitik an einem Wendepunkt. Strategie und Projekte sind formuliert – doch in der Versorgungspraxis zeigen sich Lücken, Zielkonflikte und harte ökonomische Grenzen.

Geschrieben von Armin Scheuermann

KI-generiertes Bild einer Fördermine mit Förderfahrzeugen und EU-Flaggen
Europa will sich mit eigenen Förderprojekten unabhängig vom Import kritischer Rohstoffe machen.

März 2026, Setúbal in Portugal. Hier sollte einmal eine der wichtigsten Lithiumraffinerien Europas entstehen – das Projekt „Aurora“: bis zu 35.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr, genug für Hunderttausende Elektroautos, wie die ursprüngliche Projektankündigung von Galp und Northvolt zeigt. Heute ist das Gelände leer. Das Projekt wurde nach dem Rückzug des Partners und fehlender Finanzierung gestoppt – zu viel Risiko, zu wenig Planungssicherheit. Aurora ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom. Knapp zwei Jahre nach dem Start des Critical Raw Materials Act (CRMA) zeigt sich, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und industrieller Realität bleibt.

Fortschritte: Europa kommt ins Handeln

Zunächst die gute Nachricht: Europa bewegt sich. Laut Kommission hat Brüssel 47 strategische Projekte in 13 Mitgliedstaaten sowie 13 weitere in Drittstaaten als CRMA‑„Strategic Projects“ ausgewählt – von Lithiumminen über Graphitprojekte bis hin zu Anlagen für Seltene Erden. Gleichzeitig sieht der CRMA beschleunigte Genehmigungen vor: maximal 27 Monate für Bergbau, für Verarbeitungsanlagen sogar höchstens 15 Monate.

Auch institutionell hat sich etwas bewegt: Laut EU‑Dokumenten bündelt ein neues Critical Raw Materials Board erstmals die Aktivitäten von Mitgliedstaaten, Industrie und Kommission und überwacht Fortschritte bei den Zielen. Parallel baut die EU ihre internationalen Rohstoffpartnerschaften aus – unter anderem mit Kanada, Chile, Namibia und Australien; Medienberichte heben besonders das jüngste Abkommen mit Australien hervor, das den Zugang zu kritischen Mineralien erleichtern und die Abhängigkeit von China verringern soll. Die Botschaft ist klar: Rohstoffe sind zum Kern industrieller Souveränität geworden – ein Befund, der sich auch in der breiteren industriepolitischen Neuausrichtung Europas widerspiegelt.

Realitätsschock: Projekte auf dem Papier, Probleme im Boden

Doch genau hier beginnt das Problem. Laut Europäischem Rechnungshof befinden sich viele der strategischen Projekte weiterhin in frühen Phasen – Exploration, Machbarkeitsstudien oder Genehmigung. Nur ein Teil dürfte bis 2030 tatsächlich produzieren. Die strukturellen Hürden sind bekannt – und bleiben bestehen:

  • Genehmigungen dauern oft deutlich länger als vorgesehen
  • Lokale Widerstände und Umweltklagen verzögern Projekte
  • Umweltauflagen erhöhen Kosten und Komplexität

Das Ergebnis: Europa hat viele Projekte – aber noch wenig zusätzliche Förderung.

Noch kritischer ist die Lage bei der Verarbeitung. Während der Abbau zumindest politisch sichtbar geworden ist, bleibt die industrielle Weiterverarbeitung Europas Achillesferse. Laut Analysen zu globalen Wertschöpfungsketten kontrolliert China bei zahlreichen strategischen Rohstoffen rund 60 Prozent der weltweiten Produktion und etwa 90 Prozent der Raffineriekapazitäten – und damit die eigentliche Wertschöpfung. Zwar entstehen, wie Projektlisten der EU und Branchenberichte zeigen, erste Raffinerieprojekte und Verarbeitungsanlagen in Deutschland, Finnland, Polen oder Frankreich. Doch ihr Aufbau ist teuer, energieintensiv und hochgradig abhängig von globalen Marktpreisen, worauf sowohl Marktanalysten als auch der Europäische Rechnungshof hinweisen. Das Scheitern von „Aurora“ verdeutlicht das Risiko: ein strategisch gewolltes, politisch flankiertes Projekt – und trotzdem wirtschaftlich nicht tragfähig.

Drei Messeteilnehmer diskutieren auf der POWTECH TECHNOPHARM an einer Maschine
Themen der Rohstoffverarbeitung werden auf der POWTECH TECHNOPHARM 2026 an verschiedenen Stellen diskutiert.

Finanzierung und Versorgungssicherheit – Europas Engpass und Zielkonflikt

Ein zentraler Engpass ist die Finanzierung. Die strategischen Projekte erfordern Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe. Gleichzeitig fehlt ein einheitlicher europäischer Förderrahmen mit klaren steuerlichen Anreizen – im Gegensatz zu den USA. Der Europäische Rechnungshof kritisiert zudem die Fragmentierung der Förderinstrumente. Private Investoren reagieren entsprechend zurückhaltend: hohe Risiken, lange Amortisationszeiten, unsichere politische Rahmenbedingungen. Ein Muster, das sich auch in anderen Bereichen der industriellen Transformation zeigt.

Hinzu kommt ein klassisch europäischer Zielkonflikt: Der Wunsch nach nachhaltigem Bergbau trifft auf den Bedarf nach schneller Rohstoffversorgung. Strenge Umweltauflagen, Naturschutz, Wasserrecht und umfangreiche Beteiligungsverfahren sind zentrale Bestandteile der europäischen Regulierung – und zurecht politisch gewollt. Gleichzeitig verzögern sie Projekte und erhöhen Kosten.

Das führt zu einem paradoxen Effekt: Europa fordert nachhaltige Rohstoffe, importiert aber weiterhin große Mengen aus Ländern mit deutlich niedrigeren Umwelt‑ und Sozialstandards. Laut dem Sonderbericht 04/2026 stammen bei einzelnen Rohstoffen wie Magnesium oder bestimmten Seltenen Erden nach wie vor über 90 Prozent der EU‑Importe aus China; bei Bor liegt der EU‑Importanteil aus der Türkei bei rund 99 Prozent. Die Abhängigkeit wird damit breiter geopolitisch diskutiert – aber faktisch bislang kaum reduziert.

Was fehlt: Tempo, Fokus – und industrielle Skalierung

Ein Jahr nach dem CRMA wird deutlich: Die Strategie stimmt – aber ihre Umsetzung ist zu langsam, zu fragmentiert und zu vorsichtig - bilanziert der Europäische Rechnungshof nüchtern. Während China komplette Lieferketten von der Mine bis zur Raffinerie kontrolliert und die USA mit milliardenschweren Subventionspaketen arbeiten, ringt Europa noch mit Genehmigungsdetails, Beihilferegeln und Finanzierungsmodellen.

Die entscheidende Phase steht also erst bevor: der Übergang von Pilot‑ und Demonstrationsvorhaben zur industriellen Produktion. Die Warnung des Rechnungshofs ist entsprechend deutlich: Ohne beschleunigte Umsetzung und klarere finanzielle Rahmenbedingungen droht die EU, ihre Rohstoffziele für 2030 zu verfehlen – mit spürbaren Folgen für Energiewende, Industrie und strategische Autonomie.

Recycling und Kreislaufwirtschaft als zweite Säule

Dass Rohstoffautonomie nicht allein durch Bergbau erreicht werden kann, ist inzwischen Konsens. Die Internationale Energieagentur (IEA) betont in ihrer Studie „Recycling of Critical Minerals“, dass konsequent ausgebautes Recycling den Bedarf an neuen Minen für bestimmte Metalle bis 2050 um bis zu rund 40 Prozent senken könnte, Primärförderung aber nicht ersetzt.

Doch die Fortschritte bleiben begrenzt: Die zirkuläre Materialnutzungsrate der EU lag 2024 laut Eurostat bei nur 12,2 Prozent. Gleichzeitig zeigt die IEA, dass Recycling den Bedarf an Primärrohstoffen deutlich reduzieren könnte – jedoch nur bei massivem Ausbau. Warum diese zweite Säule entscheidend ist – und wo ihre Grenzen liegen – beleuchten wir im Beitrag „Schluss mit Rohstoff-Roulette: Wie Recycling Europas strategische Autonomie sichert“ im Detail.


Fazit: Der Wille ist da – jetzt zählt die Umsetzung

Europa hat den Ernst der Lage erkannt. Der CRMA ist ein wichtiger Schritt, die Projekte sind identifiziert, die Governance‑Strukturen stehen, wie EU‑Dokumente und Rechtsanalysen zeigen. Doch noch ist die Rohstoff‑Autonomie vor allem ein politisches Projekt – kein industrieller Zustand, wie der Sonderbericht 04/2026 des Europäischen Rechnungshofs unmissverständlich formuliert. Damit sich das ändert, braucht es vor allem drei Dinge: mehr Tempo bei Genehmigungen, mehr Mut bei Investitionen und mehr Konsequenz in der Umsetzung – von der Mine bis zum Recyclinghof, wie Prüfer und Marktanalysten übereinstimmend fordern. Oder anders formuliert: Europa hat angefangen zu graben. Jetzt muss es liefern.

April 2025: Dig, Baby, Dig! Wie Europa um seine Rohstoff-Unabhängigkeit kämpft

Europa ist verwundbar – denn die Versorgung mit kritischen Rohstoffen ist größtenteils in chinesischer Hand. Auch deshalb liegt die Zukunft Europas unter der Erde. Doch der Weg dorthin ist steinig — und oft umstritten.

Ein windiger Frühlingstag im Norden Portugals. Auf einer Hügelkuppe im Barroso-Gebirge flattern Protestbanner im Wind. „Stop Mining, Save Nature“ steht darauf. Die Stimmung ist angespannt. In der Nähe plant das britische Unternehmen Savannah Resources den Abbau eines der größten Lithium-Vorkommen Europas. Lithium – jener Rohstoff, der für Elektroauto-Batterien, Energiewendespeicher und damit für Europas grüne Zukunft unverzichtbar ist. Doch die Menschen vor Ort wehren sich. Sie fürchten um ihre Heimat, ihre Wasserressourcen und ihre Landschaft. Es ist der Konflikt unserer Zeit: Europa braucht Rohstoffe – aber will und muss sie selbst fördern. Denn die Zeiten billiger und sicherer Rohstoffimporte sind vorbei.

Der Ukraine-Krieg und die Energiekrise haben Europas Verwundbarkeit offengelegt. Doch weit über Öl und Gas hinaus droht eine noch tiefere Abhängigkeit: Die Versorgung mit sogenannten kritischen Rohstoffen ist zu großen Teilen in chinesischer Hand. Über 90 % der Seltenen Erden kommen aus China. Magnesium, Gallium, Germanium – alles Hightech-Materialien für Batterien, Windräder, Solarzellen oder Halbleiter – stammen überwiegend aus Asien. Und der chinesische Export-Stopp dieser Materialien infolge der US-Zölle zeigte, wie real die Gefahr in der Lieferkette ist: Ohne die Hightech-Materialien steht die europäische Industrie still. Europa muss also dringend gegensteuern. Nicht nur um seine Klimaziele zu erreichen – sondern um seine industrielle Souveränität zu bewahren.

Europas Antwort: Der Critical Raw Materials Act

Im März 2024 hat die EU deshalb eine ihrer ambitioniertesten Industriepolitiken verabschiedet: den Critical Raw Materials Act (CRMA). Die Strategie ist klar:

  • 10 % des Rohstoffbedarfs sollen bis 2030 aus europäischem Bergbau stammen.
  • 40 % der Verarbeitung soll innerhalb Europas erfolgen.
  • 25 % sollen aus Recycling kommen.
  • Kein Drittstaat darf mehr als 65 % eines strategischen Rohstoffs liefern.

Dafür unterstützt Brüssel strategische Projekte, beschleunigt Genehmigungen und knüpft Rohstoffpartnerschaften mit Afrika, Lateinamerika und Grönland. Doch der wichtigste Hebel liegt vor der eigenen Haustür.

Wo Europa gräbt: Heimische Vorkommen und Projekte

Europa verfügt über mehr Rohstoffvorkommen, als viele lange dachten. Doch ihre Erschließung ist komplex, teuer – und nicht selten umkämpft. Die EU hat im Rahmen des CRMA insgesamt 47 strategische Rohstoffprojekte in 13 Mitgliedstaaten ausgewählt, um ihre Abhängigkeit von Importen zu verringern.

KI-generiertes Bild eines Lithium-Hydroxid-Haufens neben einer Li-Ion-Batterie
Das weiße Pulver Lithium Hydroxid ist die Grundlage für die Produktion von Batterien.

Lithium: Europas Hoffnungsträger für die Batteriewende

An der Grenze zu Deutschland liegt Europas größtes Lithium-Hartgesteinvorkommen: das Cinovec-Projekt. Mit geschätzten 372 Millionen Tonnen Erz und einer geplanten Jahresproduktion von 29.000 Tonnen Lithiumhydroxid soll das Projekt ab Ende der 2020er-Jahre zur Rohstoffdrehscheibe Mitteleuropas werden. Unweit davon plant das Unternehmen Zinnwald Lithium Plc im sächsischen Erzgebirge die Förderung von 18.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr. Das Projekt gilt als Vorreiter für nachhaltigen, oberflächenschonenden Bergbau in Deutschland.

An der Westküste Finnlands plant Keliber die Förderung von Spodumen-Konzentrat und den Bau einer Raffinerie in Kokkola. Ab 2026 sollen dort 15.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr produziert werden. Das eingangs erwähnte Barroso-Projekt in Nordportugal ist eines der umstrittensten Vorhaben Europas. Trotz lokaler Proteste wurde die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen. Ab 2027 soll hier Lithium für die europäische Batterieindustrie gefördert werden. In Zentralfrankreich plant das Unternehmen Imerys die Gewinnung von Lithium aus Glimmer im Steinbruch Beauvoir. Eine Konversionsanlage in La Loue soll ab 2030 jährlich 34.000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren.  

Ein Schlüsselfaktor für Europas Lithiumstrategie liegt außerhalb der EU: Im serbischen Jadar-Tal will der Bergbaukonzern Rio Tinto ab 2028 jährlich bis zu 58.000 Tonnen Lithiumhydroxid fördern. Die EU und Serbien haben dazu eine strategische Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Doch Umweltproteste bleiben eine große Herausforderung.

Raffinerien: Lithium-Verarbeitung in Europa

Neben dem Abbau investiert die EU massiv in Lithiumraffinerien: AMG Lithium hat im September 2024 in Bitterfeld-Wolfen eine Raffinerie eröffnet, deren jährliche Kapazität von 20.000 Tonnen (Lithiumhydroxid) den Batteriebedarf von rund 500.000 Elektroautos decken soll. Bis 2030 soll diese Anlage auf 100.000 Tonnen LiOH ausgebaut werden. Livista Energy will in Emden ab 2026 jährlich 40.000 Tonnen LiOH aufbereiten.

Das ambitionierte portugiesische Raffinerieprojekt von Galp-Northvolt (Aurora) für 35.000 Tonnen Lithiumhydroxid/Jahr wurde hingegen Ende 2024 nach Finanzierungsproblemen, dem Rückzug des Partners Northvolt und unklaren politischen Rahmenbedingungen endgültig aufgegeben.

Das Scheitern des Aurora-Projekts zeigt exemplarisch, wie stark Investitionen in Europas Lithiumsektor neben technologischen und geologischen Herausforderungen auch marktwirtschaftlichen Risiken, politischen Unsicherheiten und volatilen Rohstoffpreisen unterworfen sind.

Nickel und Kobalt: Europas Batterie-Metalle

Für Batterien und Elektromobilität wird nur Lithium benötigt – auch Nickel und Kobalt sind unverzichtbare Metalle. Finnland ist Europas führender Nickelproduzent. Eurobattery Minerals will in der Hautalampi-Mine möglichst noch in diesem Jahr damit beginnen, ein Vorkommen mit rund 7.800 Tonnen Kobalt sowie Nickel auszubeuten. Polens Kupferkonzern KGHM baut derzeit die Nickel- und Kupferförderung aus – flankiert durch Recyclingkapazitäten in Deutschland und Schweden.

Graphit: Europas Achillesferse in der Energiewende

Graphit ist ein Schlüsselrohstoff der Energiewende. Als Anodenmaterial ist der Rohstoff essenziell für alle modernen Batterietypen – ob natürlich gewonnen oder synthetisch hergestellt. Auch in Metallurgie, Werkzeugbau und Halbleiterfertigung spielt er eine zentrale Rolle. Doch Europa ist massiv abhängig von Importen – vor allem aus China, das nicht nur den Großteil des Naturgraphits liefert, sondern auch die Verarbeitung dominiert. Hinzu kommen Exporteinschränkungen, neue Zölle und ein erwarteter 20-facher Nachfrageanstieg bis 2040.

In Estland will das Start-up UP Catalyst Graphit aus CO₂ herstellen – eine vielversprechende technologische Alternative. In Schweden plant Talga Resources die Förderung und Verarbeitung von Naturgraphit für Batterien, mit einer geplanten Kapazität von 100.000 Tonnen Konzentrat pro Jahr.

Diese Projekte sind wichtig – aber sie reichen nicht aus: Selbst bei vollem Ausbau könnte Europa weniger als ein Fünftel seines künftigen Graphitbedarfs selbst decken. Der Aufbau eigener Lieferketten und internationaler Partnerschaften wird entscheidend sein, um Europas Verwundbarkeit in diesem zentralen Bereich zu reduzieren.

Seltene Erden: Kleine Mengen, große Abhängigkeit

Seltene Erden sind die unsichtbaren Rohstoffhelden der Energiewende – sie stecken in fast jedem Zukunftsprodukt — von Elektromotoren über Windturbinen bis hin zu Hightech-Magneten. Doch Europa ist bei diesen Elementen besonders stark von China abhängig – und der Aufbau eigener Förder- und Verarbeitungskapazitäten ist eines der ambitioniertesten Ziele der EU-Rohstoffstrategie.

Polen baut in Pulawy ab 2027 eine Verarbeitungsanlage für Seltene Erden zur Magnetproduktion. Schwedens Norra Kärr-Projekt gilt als eines der größten europäischen Vorkommen, steht jedoch noch im Genehmigungsverfahren. Frankreich investiert mit Solvay und Caremag in neue Verarbeitungsanlagen und Recyclingprojekte für Seltene Erden – diese könnte künftig 30 % des EU-Bedarfs decken – sozusagen „urban mining at its best“

Wolfram und Magnesium

Der russische Angriff auf die Ukraine hat zwei weitere Metalle neu ins Rampenlicht gerückt: Wolfram und Magnesium sind wichtige Materialien für Hightech– und Verteidigungsanwendungen. Spanien und Portugal betreiben deshalb aktuell mehrere Projekte zur Gewinnung von Wolfram. Rumänien plant im Verde-Magnesium-Projekt die Gewinnung von Magnesium zur Verringerung der EU-Abhängigkeit von China.

Kreislaufwirtschaft als zweite Rohstoffquelle

Neben dem Bergbau setzt Europa auf Kreislaufwirtschaft: Alte Batterien, Elektronikschrott und Industrieabfälle sollen künftig einen Großteil des Rohstoffbedarfs decken. Innovative Recyclingverfahren, automatisierte Demontage, chemische Aufbereitung – all das sind Schlüsseltechnologien, um das ehrgeizige Ziel von 25 % Recycling-Anteil bis 2030 zu erreichen. Doch auch hier sind Investitionen, Forschung und Infrastruktur-Ausbau dringend notwendig.

POWTECH TECHNOPHARM: Technologie als Schlüssel zur Rohstoff-Zukunft

Die Beispiele machen deutlich: Ohne Verfahrenstechnik und Prozesstechnologien wird Europa keine Rohstoffautonomie erreichen können. Genau diese Technologien stehen im Mittelpunkt der POWTECH TECHNOPHARM. Ob Trenn- und Filtertechnik, Zerkleinerungsanlagen, Prozessautomation oder Recycling-Innovationen – die Messe zeigt, was die europäische Industrie braucht, um die Rohstoffwende zu schaffen.

Europa steht am Anfang eines Jahrzehnts des Rohstoff-Umbruchs. Der CRMA setzt den Rahmen – doch Umsetzung, Akzeptanz und Technologieeinsatz werden darüber entscheiden, ob der Kontinent seine Rohstoff-Autonomie wirklich erreicht. Fest steht: Wer die Rohstoffe der Zukunft sichern will, muss in die Tiefe gehen – technologisch, geologisch und politisch. Oder, wie es auf der POWTECH TECHNOPHARM heißen könnte: Dig, Baby, Dig – und Think, Baby, Think.

Natürlicher Graphit-Klumpen
Graphit ist für die Energiewende ein unverzichtbarer Rohstoff.

Autor

Armin Scheuermann
Armin Scheuermann
Chemical engineer and freelance specialised journalist