• 07.09.2026
  • Artikel

Verfahrenstechnik im Wandel: Mehr Flexibilität, weniger Energieverbrauch und sichere Produktion

Zahlreiche neue verfahrenstechnische Produkte sind für die POWTECH TECHNOPHARM 2026 angekündigt. Ein Blick auf die angekündigten Innovationen zeigt, wo die Reise hingeht. Gefragt sind Flexibilität bei der Anlagenkonzeption und vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Etliche Neuentwicklungen zahlen auf die Energieersparnis ein, und die Mitarbeiter profitieren von besseren Schutzmaßnahmen.

Geschrieben von Dr. Ulla Reutner

Drei Personen auf einem Messestand betrachten einen durchsichtigen zylindrischen Behälter mit blauer bewegter Flüssigkeit.
Auf der POWTECH TECHNOPHARM beweisen die Aussteller 2026 wieder, dass sich auch ausgereifte Technologien noch optimieren lassen.

Verfahrenstechnik aus dem Baukasten erobert immer neue Gebiete. Modulare Anlagen lassen sich schnell projektieren, die Lieferzeiten verkürzen sich und Wartung und Ersatzteilversorgung sind meist vereinfacht. Dies gilt auch für einzelne Komponenten und Maschinen.

Trend 1: Modulare Systeme vereinfachen Konfiguration

Von einigen Anbietern gibt es bereits modular aufgebaute Zellenradschleusen. Für die POWTECH TECHNOPHARM 2026 kündigt Köllemann (Stand 9-228c) seine neue Zellenradschleusen-Generation als Baukastensystem an. Auf Basis einer standardisierten Grundschleuse lassen sich verschiedene Antriebs- und Ausstattungsvarianten konfigurieren. Wie bei einem Neuwagen kann man vordefinierte Pakete wählen. So entstehen passgenaue Lösungen zu reduzierten Kosten, etwa Hochtemperatur-, Verschleißschutz- oder ATEX-Ausführungen.

Dieses Prinzip greift auch bei Siebmaschinen. So wird IFE Aufbereitungstechnik (Stand 9-563) die Siebmaschine VARIOframe vorstellen, die mit ihrem modularen Rahmen eine Vielzahl an Aufgaben abdeckt. Siebdecks und Rahmensegmente sind einzeln konfigurierbar. Auch sind verschiedene Siebbeläge und Multi-Decks (z. B. Schutzdeck) erhältlich. Die Siebdynamik ist stufenlos im Betrieb verstellbar, was für besonders hohe Flexibilität und hohe Siebqualität sorgt. Eine Grundschwingung beugt Verstopfungen vor, und das bei so anspruchsvollen Materialien wie Kabelschrott, Altglas, Kompost und anderen feinen, feuchten und klebrigen Materialien.

Zwei Fachleute betrachten kleine Edelstahlkomponenten.
Innovationspotenzial liegt oft im kleinsten Bauteil – und lässt sich im Idealfall auf den industriellen Großprozess übertragen.

Trend 2: Mischprozesse optimieren – schonender, gleichmäßiger, klumpen- und staubfrei

Neben der Verarbeitung besonders harter Stoffe gehört auch die schonende Behandlung empfindlicher Produkte zu den verfahrenstechnischen Herausforderungen. Hosokawa Micron (Stand 7A-530) bietet dafür mit dem 50-Liter-Vitomix einen neuen kompakten Bandwendelmischer. Er wurde für die Forschung und Entwicklung, für den Einsatz in Pilotanlagen sowie für Produktionen im kleinen Maßstab entwickelt. Die Mischenergie des Vitomix, den es in Ausführungen bis zu 10.000 Liter gibt, lässt sich in einem weiten Range einstellen. Hohe Produktgeschwindigkeiten und eine intensive, zugleich schonende Mischwirkung lassen sich so vereinen. Da sich während des Mischprozesses ein lockeres quasi-fluidisiertes Produktbett ausbildet, können Flüssigkeiten gleichmäßig ohne Klumpenbildung zugegeben werden.

Umgekehrt gilt es häufig, Trockenstoffe in ein Mischsystem einzutragen und zu dispergieren. Handelt es sich dabei um Produkte mit niedrigem Schüttgewicht, kann die Staubbelastung in der Produktion schnell zum Problem werden. Immer mehr Betreiber sind sich der Verantwortung bewusst und wollen die Anlagenbediener vor Stäuben schützen. Mit den ZPX Pulver-/ Flüssig- Dispergierer von Ytron (Stand 9-539) bekommt man das Staubproblem in den Griff. Angebunden an Trichter, BigBag oder Sackaufgabestationen saugen die Rotor-Stator-Dispergierer die Trockenstoffe, zum Beispiel mit Hilfe einer Sauglanze ein und fördern sie ohne zusätzliche Pumpe in einen Mischbehälter. Beim Anschluss an einen BigBag oder ein Silo ist die industrielle Verarbeitung großer Mengen in hochautomatisierten Kontiprozessen möglich. Zahlreiche Schüttgüter aus Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaanwendungen lassen sich so dispergieren.

Trend 3: runter mit dem CO2-Footprint beim Filtern …

Etliche Neuentwicklungen sorgen für geringere Betriebs- und Energiekosten. Die Filteranlage Flexpro von Herding (Stand 7-726) setzt dazu auf eine Kombination von konstruktiver Raffinesse, Volumenstromregelung und Digitalisierung. Weiterentwickelte Sinterlamellenfilter, das neu konzipierte Filterelement Herding Pro und eine intelligente Luftführung reduzieren den Energieverbrauch ohne Leistungseinbußen. Der CO2-Footprint wird um bis zu 25 Prozent verringert.  Die Anlage gewährleistet eine reine Rückgewinnung ohne Kontamination sowie besonders niedrige Reingaswerte. Sie lässt sich einfach nach dem Plug- and Play-Prinzip in Betrieb nehmen. Zudem kann sie über eine OPC UA-Schnittstelle in IoT- und Leitsysteme einfach eingebunden werden und verfügt über einen Digitalen Zwilling (lesen Sie dazu auch unseren aktuellen Fachartikel „Digitalisierung in der Verfahrenstechnik: Trends auf der POWTECH TECHNOPHARM“).

Für besonders große Luftmengen gibt es darüber hinaus die Großfilteranlagen-Baureihe Herding Maxx, die nun auch mit integriertem Explosionsschutz angeboten wird. Der eingesetzte Sinterlamellenfilter wirkt dabei als Staub-Ex-Zonen-Sperre. Auf der Reingasseite der Filteranlage liegt dadurch keine staubexplosionsfähige Atmosphäre vor. Zudem arbeitet die Anlage mit einer flammenlosen und rauchfreien Druckentlastung.

Auch die Patronenfilteranlagen dustar S60 von Indusa (Teilnehmer der VDMA- Sonderschau, Stand 7-776) sparen dauerhaft Energiekosten ein. Sie sind so konstruiert, dass sie einen hohen Abscheidegrad bei geringem Druckverlust erreichen. Dazu werden herkömmliche IE2-Motoren bis hin zu modernen IE4- oder EC-Motoren eingesetzt. Mit verschiedenen Filtermedien werden nahezu alle Staubanwendungen (Keramik, Metall, Glas etc.) abgedeckt.

… und beim Heizen mit hybriden Systemen und elektrischen Elementen

Zur CO2-Reduktion tragen auch Anlagen bei, die mit Strom betrieben werden. Wer bei PV-Überschuss günstigen Industriestrom nutzt, kann zudem seine Betriebskosten optimieren. Hybride Systeme sorgen dafür, dass auch bei Dunkelflaute der Betrieb nicht gefährdet ist. So beispielsweise die hybriden Heizsysteme von Tecflam (Stand 9-548). Sie kombinieren elektrische Lufterhitzer (E-HAG) und Kanalbrenner oder indirekte Heißluftgeneratoren und bieten maximale Flexibilität bei der Erwärmung von Prozessluft sowie beim Energiemanagement.

Vollständig elektrisch arbeitet dagegen der Hochtemperatur-Schneckenwärmetauscher LiquiCore von Köllemann (Stand 9-228c). Er ermöglicht eine präzise, effiziente thermische Behandlung von Schüttgütern im Temperaturbereich von etwa 145 °C bis 650 °C. In der neu entwickelten Schneckenwelle sind elektrische Heizelemente in einem hermetisch abgeschlossenen Kern aus niedrigschmelzendem Metall eingebettet. Ist dieses Metall verflüssigt, übernimmt es die Wärmeverteilung und sorgt für einen schnellen, gleichmäßigen Wärmeeintrag. Da das System ohne Thermoöl arbeitet, entfallen Erhitzer, Pumpen und Rohrleitungen. So entstehen kompakte, robuste und leistungsstarke Lösungen für anspruchsvolle thermische Prozesse, etwa im Recycling.

Trend 4: kontaminationsfreie Produktion in vielen Branchen

Was in der Pharmaindustrie längst ein Muss ist (siehe hierzu Artikel „Vom Reinraum zum Reißverschluss“), bekommt auch in anderen Branchen eine wachsende Bedeutung: Containment. Problematische Feinstäube gibt es auch in der Batterieindustrie, beim Recycling und im Bereich Additive Manufacturing. Auch vor bestimmten Wirkstoffen, die in der Food- und Kosmetikindustrie eingesetzt werden, sollen Mitarbeiter geschützt werden. Umgekehrt dürfen Produkte wie Säuglingsnahrung nicht verunreinigt werden.

Auf der diesjährigen POWTECH TECHNOPHARM zeigt Dositech (Stand 7-892) mit dem AB-Cut-System eine Lösung für die automatische Beschickung von Vorratstrichtern. Kombiniert werden Sackerkennung, robotergestütztes Aufschneiden und kontrollierte Entleerung; manuelles Handling wird komplett eliminiert. Das KI-gestützte System sorgt nicht nur für kontaminationsfreie Materialzufuhr und Staubeindämmung, sondern auch für vollständige Rückverfolgbarkeit.

Am Ende der Prozesskette könnten beispielsweise die Lösungen von Burgener (Stand 7-634) stehen: Das Schweizer Unternehmen bietet für jeden Gebindetyp – von Einzelbeutel bis Big Bag – die passende Abfülltechnik. Mit integrierter Druckregelung, Verschluss- und Reinigungstechnik kann kontaminationsfreies Abfüllen realisiert werden.

Weitere Informationen und Aussteller- bzw. Produktsuche:  
https://www.powtech-technopharm.com/de-de/aussteller-produkte

Dieses Thema interessiert Sie? Dann kommen Sie zur POWTECH TECHNOPHARM und erleben Sie dieses und viele weiteren Themen live auf der Messe. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket mit folgendem Code: PTTP26Insights

Autor

Ulla Reutner
Dr. Ulla Reutner
Chemist and freelance specialised journalist